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Gauß-Vorlesung feiert in Stuttgart ihr 25. Jubiläum

Gauß-Vorlesung feiert in Stuttgart ihr 25. Jubiläum

16. Juli 2015;

Mit 300 Mathematikinteressierten war am Montagabend, dem 29. Juni 2015, das Max-Bense Forum der Stadtbibliothek Stuttgart bis auf den letzten Platz besetzt. Anlass war die hoch angesehene Gauß-Vorlesung, die in Stuttgart ihr 25. Jubiläum feierte.

Martin Gander von der Université de Genève führte auf unterhaltsame Weise in die Zusammenhänge zwischen Differentialgleichungen und der Variationrechnung ein. U.a. mit Auszügen aus Briefen, wie dem des 19jährigen La Grande an Euler, und Promotionsgutachten, zum Beispiel dem von Gauß über seinen Schüler Riemann. Gemeinsam ist diesen Wissenschaftlern, dass sie erste mathematische Modelle entwickelt haben, die später Grundlage der modernen Numerischen Simulation werden. Mit den Arbeiten des Schweizers Ritz zu Beginn des letzten Jahrhunderts kommt ein weiterer großer Schritt hinzu, indem er einen ersten numerisch umsetzbaren Weg zur Lösung gewisser Differentialgleichung vorschlägt. Galerkin greift 1919 die Arbeiten von Ritz auf und veröffentlicht eine Methode, die er selbst zunächst Ritz Methode nennt, heute bekannt als Galerkin Methode. Diese führt dann direkt auf die Finite-Elemente Methode wie sie heute als numerische Basismethode genutzt wird. Einer der Mitbegründer dieser Methode ist auch John Argyris, der von 1959 bis 1988 an der Universität Stuttgart am Institut für Statik und Dynamik der Luft- und Raumfahrtkonstruktionen wirkte.

Volker Mehrmann greift diese historische Einbettung des Themas auf und führt ein in die heutigen Herausforderungen der Angewandten Mathematik, die sich oft nur interdisziplinär lösen lassen. Sein Beispiel ist das Quietschen von Bremsen, an dessen Beseitigung er und sein Team arbeiten. Das Hauptproblem dabei ist die sich überlagernde Komplexität vieler verschiedener Effekte wie Reibung, Schwingungen etc. Bisher in der Industrie eingesetzte, vereinfachte Modellierungen lassen die meisten dieser Effekte außer Acht. Mehrmann zeigt auf wie diese Vereinfachung auf eine hohe Fehlerquote im Ergebnis führt. Er versucht es mit einem kleinen Ersatzmodell, das jedoch die wesentlichen Effekte berücksichtigt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, er kann Fehler damit zumindest quantifizieren, immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Zu einer feierlichen Festvorlesung gehört ein Begleitprogramm. Timm Sigg, der Mathematikprofessor am Klavier, führt mit wunderbarer Selbstironie den Anwesenden die Besonderheiten von Mathematikerinnen und Mathematiker. Der Saal ist begeistert, da haben sich bestimmt einige selbst wiedererkannt.

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