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Qualen bei Wahlen

Qualen bei Wahlen

27. Mai 2014;

Jeden Tag wird auf der Welt wohl hunderttausendfach gewählt, über die Zukunft des Klassensprechers oder Staatspräsidenten entscheiden Handzeichen und Stimmzettel. Was könnte gerechter sein?

Eine Wahl soll einen fairen Interessenausgleich in Gruppen mit unterschiedlichen Präferenzen gewährleisten. Doch es gibt zahlreiche Seltsamkeiten. Ein Beispiel: die Mehr-Stimmen-bekommen-ist-besser-Falle.Nehmen wir folgendes Szenario: Drei Kandidaten A, B, C stehen zur Wahl. Das Wahlvolk besteht aus 15 Wählern. Davon favorisieren drei die Alternative A gegenüber B und B gegenüber C. Wir schreiben diese Rangfolge als ABC. Sie tritt in der folgenden selbsterklärenden Tabelle als erste Zeile auf sowie die Präferenzreihungen der übrigen Wähler:

 
Zahl der Wähler Präferenz-ordnung
3 ABC
5 BCA
2 CAB
5 CBA

Das Wahlsystem ist zwei-rundig; Mehrheitsentscheid mit Stichwahl heißt es im Fachjargon. Das Verfahren wird in Frankreich bei der Wahl des Staatspräsidenten eingesetzt und in vielen deutschen Bundesländern für die Wahl des Bürgermeisters.

Jeder Wähler stimmt für einen Kandidaten. Wer in der ersten Runde die wenigsten Stimmen bekommt, scheidet aus. Anschließend entscheidet eine Stichwahl zwischen den verbleibenden Kandidaten. In der ersten Runde erhalten A, B, C jeweils 3 beziehungsweise 5 beziehungsweise 2 + 5 = 7 Stimmen. A scheidet demnach aus. Die Wähler mit der Präferenzreihung ABC werden bei der Stichwahl für B votieren, der nach dem Ausscheiden von A der nächste in ihrer Präferenzliste ist. In diesem zweiten Wahlgang erhalten B und C dann 3 + 5 = 8 beziehungsweise 2 + 5 = 7 Stimmen. B gewinnt.

Es ist naheliegend zu denken, dass sich Kandidat A über zusätzliche Unterstützung freuen würde. Über einen “Zwilling“ mit derselben Reihung für jeden seiner Wähler mit Präferenzen ABC. Das würde der gemeinsamen Position ein stärkeres Gewicht geben.

Wirklich? Nicht unbedingt!

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